Dark Epic Power Metal

WARLORD Rising From The Ruins – Obliveon.de (Germany)

WARLORD Rising From The Ruins – Obliveon.de (Germany)

WARLORD

Auferstanden aus Ruinen

Wie heisst es im Info der Plattenfrima zum neuen und lang erwarteten Warlord-Album doch so treffend: “Der Traum wird zur Wirklichkeit! Ein Mythos wird Realität!”. Für kaum eine andere Band der achtziger Jahre trifft dies in solch einem Maße zu, wie für Warlord. Ohne einen einzigen Live-Auftritt bestritten zu haben und mit nur drei Veröffentlichungen, “Deliver Us”, “…And The Cannons Of Destruction Has Begun” und der “Aliens”-Maxi, begründete die Band um Gitarrist William Tsamis ihren legendären Ruf als richtungswiesende, aber leider vollkommen unterbewerte und verkannte Band im Bereich des melodischen Metals. Nur wenige Diehard-Fans hielten der Band über die Jahre zum Teil fanatisch die Stange. Die Originalveröffentlichungen dieser Alben erzielen mittlerweile beträchtliche Preise, und die japanische Version des “Deliver Us”-Albums zählt mit zu den grössten Raritäten des 80er US-Metals. Nichtsdestotrotz, der legendäre Ruf der Band wuchs im Laufe der Jahre, nicht zuletzt auch aufgrund der Veröffentlichung des “Best Of”-Albums durch ihre ehemalige Plattenfirma Metal Blade. Immer lauter wurde der Ruf nach einer Reunion und als die ersten Gerüchte um eine Wiedervereinigung der Band die Runde machten, stand der Metal-Underground Kopf. In der Besetzung mit William Tsamis (aka Destroyer), Originalschlagzeuger Mark Zonder (aka Thunderchild) und dem Hammerfall-Sänger Joacim Cans ging die Band daran mit “Rising From The Ashes” ein neues Album einzuspielen, bei dem nicht nur der Albumtitel Programm ist, sondern dass auch nahtlos dort ansetzt, wo Warlord vor fünfzehn Jahre freiwillig das Zeitliche gesegnet haben, sowohl im Bezug auf die Produktion, wie auch im Bezug auf das einzigartige Songwriting Tsamis.

tpl__c21894c35a99e328983fb4b800c6d722Dass der Neuanfang der Band dennoch kein leichtes Unterfangen wurde zeigte sich spätestens zu dem Zeitpunkt, als es darum ging, einen neuen Vertrag zu unterzeichnen. Selbst Metal Blade, die über lange Jahre gut und gerne an der Band verdient haben, lehnten einen neuerlichen Vertragsabschluss ab, was für meinen Gesprächspartner William Tsamis keine wirkliche Überraschung darstellte, ganz im Gegensatz zu seinem Kollegen Mark.

Ich habe Mark damals schon gesagt, er solle nicht verwundert sein, wenn uns kein Label unter Vertrag nehmen würde. Er war der Meinung, dass dies nicht passieren könnte, da er mit Fates Warning und Joacim mit Hammerfall über einen ausreichend grossen Bekanntheitsgrad verfügen würden. Im Bezug auf das Musikbusiness bin ich aber sehr zynisch, und ich hatte Recht. Mark hat jeden einzelnen Ablehnungsbrief aufgehoben und manche davon an die Studiowände geklebt.

Weitestgehend ungeklärt blieben bis zum heutige Tage vor allem die Hintergründe für die Auflösung der Band, die William offen und ehrlich und auf eine sehr bescheidene Art und Weise im nachfolgenden Interview, das wenige Tage vor dem Gig in Wacken telefonisch geführt wurde, offenlegte.

Grundsätzlich war es Anfang der 80er Jahre in den USA so, dass man als Metal-Band nur wahrgenommen wurde, wenn man in Hollywood war und dort Showcases gespielt hat. Alles hat sich auf Hollywood konzentriert. Mark und ich sind damals daher nach Hollywood gezogen und haben Auditions abgehalten, um die richtigen Musiker zu finden. Wir hatten jedoch immer Probleme einen vernünftigen Sänger zu finden. Unser Stil war sehr europäisch geprägt, aber es gab in L.A. nur Hardrock-Sänger, die diesen amerikanischen Hardrockstil drauf hatten. Bands wie Mötley Crüe, Ratt oder Quiet Riot, also Bands, die der Glamrock-Szene zuzurechnen waren. Wir hatten dann irgendwann auch einen Sänger gefunden, einen guten Studiosänger, der, sobald man ihm eine Melodie vorgab, diese auch auf den Ton nachvollziehen konnte. Nur war dieser leider kein Metal-Sänger im eigentlichen Sinn. Wir haben dann unserer erstes Album in der Hoffnung eingespielt, dass er sich im Laufe der Zeit darauf einstellen könnte. Er war aber nach wie vor eher poporientiert und bevorzugte Bands wie Foreigner. Wir wollten aber jemanden, der sich voll und ganz hinter Warlord stellt und sich hundertprozentig für die Band engagiert. Das erste Album bekam dann so viele positive Resonanzen, dass wir Tapes überall aus den USA erhielten, mit denen sich die Sänger bei uns beworben haben. So sind wir auf einen Typen aus Texas, Rick Cunningham gestossen, der dann unter dem Pseudonym “Damien King II” bei uns als Sänger einstieg. Er war ein guter Sänger, zwar nicht so gut wie unser erster, aber im Studio fanden wir heraus, dass er nicht immer in der Lage war, exakt den Ton zu treffen. Er verfiel dann immer mehr diesem Hollywood-Lifestyle, kam nicht zu den Proben und es zeichnete sich auch keine Verbesserung ab. In der Zwischenzeit haben Mark und ich versucht, einen Plattenvertrag bei einer Major-Company zu bekommen. Wir versuchten bei Warner, Epic oder Capitol unterzukommen und sind sprichwörtlich den Bürgersteig in Hollywood rauf unter runter gelaufen, haben an jede Tür geklopft, nur um einen Deal zu bekommen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich bei Chrysalis hinein marschierte und dort einen sechs Fuss hohen Berg an Demos von Bands gesehen habe, die ebenfalls auf der Suche nach einem Vertrag waren. Da wurde mir natürlich klar, dass sich niemand diese Tapes auch nur im entferntesten anhören würde. Das war natürlich sehr entmutigend, zumal wir mit unserem zweiten Sänger auch keine Live-Konzerte spielen wollten, da er manchmal halt einfach nicht den Ton traf. So begannen wir, uns nach einem neuen Sänger umzusehen, was sehr, sehr schwierg war. Das war ungefähr 1985, als RAP-Musik sehr populär wurde und das Interesse an Metal, zumindest in den USA, spürbar nachliess. Es gab sicher die eine oder andere Band, z.B. Metallica, aber es erging uns so, wie vielen anderen Bands auch. Niemand nahm Notiz von der Band und wenn wir gewusst hätten, dass die europäische Metal-Szene in den späten 80er Jahren solch einen Aufschwung genommen hätte, wären wir viellecht zusammengeblieben.

tpl__c0b8635790a1bc6703f18927d2cf763dWas kaum jemand weiss, so sollte es bis zum Jahr 2002 dauern, bevor Warlord in einem kleinen Club in Itzehoe im Rahmen eines “Secret-Gigs” im Vorfeld des W:O:A ihre Live-Premiere werden feiern können. 

Ja, das stimmt. Und wie ich bereits gesagt habe, es wäre auch sinnlos gewesen, Shows mit Rick, unserem zweiten Sänger, zu spielen. Wir wollten live einfach gut klingen, und das war mit ihm leider nicht möglich.

Was dennoch ein wenig paradox erscheint, basiert der Kult-Status, den Warlord für eine Vielzahl von Fans bereits seit Jahren inne haben, doch zu grossen Teilen eben auf jenen melodischen und stilistisch aussergewöhnlichen Sängern.

Wenn jemand den Warlord-Sängern zuhört, dann hört er zunächst einmal meine Melodien, die ich den jeweiligen Sängern auf den Leib geschrieben habe und die ich, wäre ich ein besserer Sänger, selbst gesungen hätte. Nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Ich will jetzt nicht schlecht über diese Sänger reden und sie runter machen. Wären sie wirklich schlecht gewesen, dann hätten wir ja erst gar nicht mit ihnen zusammengearbeitet. Das Hauptproblem war, dass sie nicht hundertprozentig hinter Warlord standen. Unser erster Sänger war ständig auf der Suche nach anderen Bands, populäreren Bands, während er gleichzeitig bei uns spielte. Ich denke, es ist nur natürlich, dass man einen Sänger hat, der voll und ganz hinter der Band steht. Es waren beide wirklich nette Kerle, aber sie hatten einfach nicht den metallischen Hintergrund, den es bedurft hätte. Vieles von dem, was heute auf den Platten zu hören ist, war nur möglich, weil ich daneben gestanden und den Sängern gesagt habe, wie sie es singen sollten. Wenn du die Leute fragst, die damals dabei waren, werden sie das bestätigen.

Nach der Auflösung Warlord´s Mitte der achtziger Jahre gab es Gerüchte, du wärst nach London gegangen, um dort klassische Gitarre zu studieren. Stimmen diese Gerüchte?

Es gab ein Projekt, an dem ich gearbeitet habe, das klasssich orientiert war. Es gab einen Produzenten, der in Verbindung zum London Philharmonic Orchestra stand und wo es auch eine Verbindung zur RCA gab. Das war aber auch die Zeit, als all die grossen Plattenfirmen fusionierten und so unzählige Projekte gedroppt wurden, darunter auch dieses.

Dennoch sollte es Jahre dauern, bis du wieder musikalisch auf dich aufmerksam machen konntest. Zunächst vornehmlich mit dem Komponieren von New Age-ähnlichen Songs beschäftigt, bist du erst wieder mit Lordian Guard in Erscheinung getreten, mit denen du 1995 und 1996 zwei CD´s veröffentlich hast, die sich sehr am klassischen Warlord-Sound orientiert haben und wo deine Frau Vidonne sich für den Gesang verantwortlich zeichnete. Diese beiden CD´s sind über den Undergroundstatus jedoch nie herausgekommen. Fasst man all diese Projekte zusammen, so fehlen unter dem Strich immer noch eine Reihe von Jahren, in denen es kein musikalisches Lebenszeichen von dir gab.

Ja, ja, “The Missing Years” (lacht), das ist eine ganz interessante Geschichte. Ich bin zunächst einmal zum College gegangen, wo ich mich sehr für Philosophie und Religion interessiert habe. Mein Vater starb 1985, als ich dreiundzwanzig Jahre alt war, und so begann ich, wie jeder in diesem Alter, Fragen zu stellen. Ich befand mich in einer Phase, als ich von Hollywood und dem ganzen Kommerz dort die Schnauze gestrichen voll hatte. Ich habe aber nie den Kontakt zur Metalszene verloren. Ich habe weiter Bands wie Savatage oder Helloween gehört und war nach wie vor am klassischen Heavy Metal interessiert. Nebenbei lernte ich noch Klavier zu spielen. Wie gesagt, ich ging also auf das College, war aber nicht sicher, wie es danach weiter gehen sollte. Ich graduierte dann in Philosophie und vertiefte mich soweit in die ganze Materie, dass ich schliesslich gefragt wurde, ob ich nicht am College unterrichten wolle. Also begann ich damit Unterricht zu geben, was eine ziemliche bizarre Sache war und dahin führte, dass ich Teil der Akademikerszene wurde, Seite an Seite mit all diesen bekannten Professoren und Doktoren, versunken in Themen, über die sich der normale Bürger niemals Gedanken machen würde. Abstrakte Konzepte und solche Dinge, was mir sehr viel Freude bereitet und auch heutzutage immer noch macht, mindestens soviel, wie mir Musik Spass macht. In der ganzen Zeit habe ich aber immer wieder Fanbriefe erhalten. Metal Blade war damals Brian Slagel´s Schlafzimmer im Haus seiner Mutter. Er hatte schlichtweg kein Geld, Warlord nach vorne zu bringen. Also veröffentliche er diese “Best of Warlord” und auf einmal begannen die Leute sich wieder dafür zu interessieren. Immer wieder wurde ich gefragt, ob ich nicht etwas in der Art und Weise wie Warlord machen wollte, da die Leute meine Art Gitarre zu spielen sehr mochten. Das Problem war nur, dass ich auf keinen Fall mit irgendwelchen Musikern zusammenarbeiten wollte. Die Erfahrungen, die ich gemacht habe, waren einfach zu schlecht. Also habe ich damit begonnen, alles alleine zu machen, ohne mir gross Gedanken darüber zu machen, was ich da überhaupt tue. Das lief ohnehin auf einem sehr undergroundmässigem Level ab. Ich hatte keine sonderlich hohen Erwartungen, wie ich auch heute keine besonderen Erwartungen habe. Mir geht es nicht darum erfolgreich oder bekannt zu sein, mir geht es einzig und alleine darum Songs zu schreiben, die ich persönlich mag. Wenn den Leuten das gefällt, umso besser.

tpl__f1903e5be4502e3633c73fb95870a30cWarst du dir des Kult-Status bewusst, den Warlord im Laufe der Jahre erlangt haben, genährt natürlich auch dadurch, dass ihr neimals live in Erscheinung getreten seid?

Um ehrlich zu sein, ich habe keine Ahnung, welchen Status Warlord heutzutage besitzen. Was ich wohl weiss, ist, dass es eine Reihe von Diehard-Warlord-Fans gibt, die durch die Sahara gehen würde, nur um Warlord live sehen zu können. Es gibt Fans, die meine Musik verstehen, aber ich weiss wirklich nicht, welchen Status die Band hat. Ich habe Warlord immer als Underground-Kult-Act gesehen, was ich auch heute noch tue.

Was also ist das Geheimnis, dass Warlord immer noch so kultisch verehrt werden?

Ich weiss es nicht. Als ich noch auf der Highschool war, war ich derjenige, der Bands wie Accept, Scorpions oder Judas Priest kannte. Diese Bands waren zu dem Zeitpunkt in den USA noch vollkommen obskurr und unbekannt. Ich war also derjenige, der seine Freunde mit diesen Bands in Berührung brachte. Uli Jon Roth und andere haben mich massgeblich beeinflusst. Ich finde, Warlord haben einen sehr melodischen, gleichzeitig aber auch sehr düsteren Sound, was viele innerhalb der Metalszene sehr viele anspricht. Wenn es düster, melodisch und leicht zugänglich ist, dann mögen die Leute das. Es überrascht mich daher nicht sonderlich, dass die Leute ein Lied wie “Enemy Mind” vom neuen Album mögen. Ich wusste es bereits vorher. Ich war und bin ein wirklicher Metal-Fan und schreibe Songs, die ich selbst gerne hören möchte. Von daher bin ich mir sicher, das andere Fans diese Songs ebenfalls mögen.

1994 erschien neben dem “…And The Cannons Of Destruction Has Begun”-Album das gleichnamige Video, das zwar unter Live-Bedingungen auf einer Bühne und mit einer grossen Lightshow entstand, aber komplett im Studio eingespielt wurde. Was ist dein heutiger Eindruck von diesem Video?

Auch hier muss man den Zeitpunkt der Entstehung berücksichtigen. Das war die Zeit, als MTV gerade begann und die Videos noch sehr simpel gehalten waren, im Gegensatz zu heute, wo die Produktion von Videos richtig teuer geworden ist. Also haben wir uns seinerzeit gedacht, dass dies vielleicht ein möglicher Weg wäre, die Band bekannter zu machen. Und ob du es glaubst oder nicht, MTV haben das Video seinerzeit tatsächlich ein paar Mal ausgestrahlt. Natürlich passierte daraufhin nicht sonderlich viel. Ohne einen Vertrag bei einer Major-Company ging schon damals nicht viel. Im Gegensatz zu Savatage, die eine Deal bei Atlantic hatten. Ohne solch einen Deal warst du aufgeschmissen.

Vor wenigen Jahren wurde “…And The Cannons Of Destruction Has Begun” in Griechenland noch einmal wiederveröffentlicht, doch dürften nur wenige in den Besitz einer Kopie dieses Videos gelangt sein. Gibt es daher Pläne, dieses Video noch einmal zu veröffentlichen?

In der Tat. Mark und ich sind nun im Besitz sämtlicher Rechte. Die Verträge mit Metal Blade sind ausgelaufen und wir planen, dieses Video als DVD zu veröffentlichen. Anfang Oktober spielen wir in Griechenland, in Athen und Thessaloniki, wo wir ein Live-Album aufnehmen werden und wo wir derzeit überlegen, dieses erste Video zusammen mit dem Live-Video als besonderen Bonus zu veröffentlichen.

tpl__626d4ab782d52b0a43e5ededf35620b2Deine Verbundenheit mit Griechenland ist natürlich auch in deiner griechischen Abstammung begründet, wo du für viele Metalfans ein wahrer Volksheld zu sein scheinst. Kein Wunder also, dass nur Griechenland in absehbarer Zeit in den Genuss von Live-Shows der Band kommen wird.

Da freue ich mich natürlich schon drauf. Wie ich bereits gesagt habe, mir geht es hauptsächlich darum, Spass an der Sache zu haben. Meine Frau meint immer, ich wäre ein Pessimist, weil ich keine sonderlich grossen Erwartungen an die Dinge habe, die ich tue. Das war aber das Tolle an der Zusammenarbeit mit Joacim. Mark, Joacim und ich haben eine tolle Chemie untereinander, so dass uns die Arbeit mit Warlord wirklich Spass macht. Früher hatten wir immer sehr viele Spannungen in der Band. Wir waren alle Anfang zwanzig und wussten noch nicht so recht, wo unser Weg uns einmal hinführen würde. Mein einziger Traum war immer, Heavy Metal Musik zu schreiben. Ich wollte nie ein Rockstar wie Paul Stanley oder Gene Simmons werden. Mein Interesse galt immer der Musik. Deswegen liebe ich auch den Underground so sehr. Da geht es nur um die Musik, um nichts anderes sonst. Verlässt man den Underground, kommt sofort Geld ins Spiel. Es gibt so viele gute Undergroundbands. Du hast Wonderland genannt und wenn ich in Itzehoe bei Hellion-Records bin, werde ich Jürgen frage, ob er eine CD der Band für mich hat.

Stand bei der Reunion Warlord´s je zur Debatte, die Band im Original Line-Up zu reformieren? Also beispielsweise auch mit Diane Arnes (ed. Kornarens), die einigen als Keyboarderin von Sahara, die mit “Going Crazy” und “The Seventh House” zwei exzellente Melodic Metal-Scheiben veröffentlicht haben, noch ein Begriff sein dürfte.

Wir haben Diane auch kontaktiert, da Mark und ich sehr eng mit ihrem Bruder befreundet sind. Wir haben über ihn also den Kontakt gesucht um herauszufinden, ob sie interessiert wäre. Anfangs sah es auch so aus. Wir haben ihr ein paar der Sachen zukommen lassen, die Mark und ich bereits gemacht hatten. Ihre Idee war es, Warlord zu verändern und noch mehr Keyboards hinzuzufügen, um dem ganzen einen symphonischeren Sound zu verleihen. Mark und ich waren uns von Beginn der Reunion aber einig, dass, sollten wir diese auch durchziehen, es nur Sinn machen würde, wenn sich die Band exakt nach Warlord anhören würde. Wir haben ein paar Rehearsals mitgeschnitten und verschiedenen Fans vorgespielt, die das wirklich sehr mochten. Danach haben wir das ein paar Freunden von uns vorgespielt, Musiker, die mittlerweile als solche fest etabliert sind, und die waren der Auffassung, dass das Ganze zu sehr nach Warlord klang. Ganz so, als ob wir uns ändern würden, wie sich andere Bands im Laufe ihrer Karriere verändern. Genau das wollten wir jedoch vermeiden, zumal die Fans auch genau das von uns erwarten. Diane wollte letzten Endes dann nicht an etwas teilhaben, bei dem die Keyboads nur eine untergeordnete Rolle spielen würden. Was Dave angeht, so wussten wir nicht, wo wir ihn finden konnten. Daher habe ich, wie auch schon auf unserem ersten Album, alle Bassparts eingespielt.

“Damien King”, “Destroyer”, “Thunder Child” und “Archangel” waren die Pseudonyme, die Warlord in den achtziger Jahren für sich in Anspruch nahmen, die ihr auf dem neuen Album allerdings ad acta gelegt habt. Warum habt ihr auf eine weitere Verwenung verzichtet?

Da haben wir eigentlich gar nicht drüber nachgedacht. Erst, als wir begonnen hatten, kam uns in den Sinn, dass wir vielleicht doch die Pseudonyme hätten verwenden sollen, zumal mich immer noch viele Fans in ihren Briefen als “Destroyer” anreden.

Über die Hälfte der auf “Rising Out Of The Ashes” veröffentlichten Songs wurde bereits mit Lordian Guard, oder im Falle von “Luzifer´s Hammer”, mit Warlord veröffentlicht, so dass auf dem Album nur vier wirklich neue Songs stehen. Wann sind diese Songs entstanden?

Das ist, wie bei vielen meiner Songs, die ich in der Vergangenheit geschrieben habe. Ganz so, als ob du im Internet eine Seite anwählst, wo dann “under construction” steht. “Aliens”, zum Beispiel, existierte bereits seit drei Jahren in meinem Kopf, bevor ich die verschiedenen Riffs dann zusammengefügt habe. Manche der Riffs wie “Invaders” oder “Enemy Mind” geistern schon seit Ewigkeiten durch meinen Kopf. Es gab andere Songs, die wir auf das Album hätten packen können. Warum wir uns für “Battle Of The Living Dead”, “Winds Of Thor”, “War In Heaven” und “My Name Is Man” entschieden haben, liegt ganz einfach daran, dass dies ursprünglich Warlord-Tracks waren, die wir bereits zu unseren ganz frühen Proberaumzeiten gespielt haben. Wir haben die Songs ausserdem ein wenig verändert. Das sind grossartige Songs, die wir nicht im Underground beerdigt wissen wollten, zumal sicher viele unserer Fans diese Songs noch nie vorher gehört haben. Das gilt natürlich auch für “My Name Is Man”. Wir wollten eine Ballade auf dem Album haben, doch ich wollte es vermeiden, eine typische Metal-Ballade für das Album zu schreiben. Joacim und Mark mochten diesen Song sehr, also haben wir uns für ihn entschieden. Wir wussten natürlich lange vorher, dass man uns diese Frage stellen würde, doch haben wir diese Songs ganz bewusst der “Warlord-Maschinerie” unterzogen.

tpl__493b61a6ec5711e9a3e50b97f8e1b8b8Die Liste der möglichen und neu einzuspielenden Klassiker liesse sich natürlich beliebig fortsetzen, denkt man an Songs wie “Mrs.Victoria”, “Child Of The Damned” oder “Winter Tears”. Warum habt ihr euch dann auf “Luzifer´s Hammer” als Bonustrack festgelegt?

“Luzifer´s Hammer” ist als Bonustrack für die deutsche Pressung gedacht. Die Japaner verlangen stets nach Bonustracks, also haben wir uns entschieden, sowohl für die amerikanische, die deutsche und die japanische Pressung jeweils einen anderen Bonussong einzuspielen. Die amerikanische Version enthält “Deliver Us From Evil”, während die japanische Version “Lost And Lonely Days” enthält. “Deliver Us From Evil” wird vielleicht im Laufe des Jahres noch auf einer EP oder ähnlichem veröffentlicht. “Child Of The Damned” haben wir nicht eingespielt, da Hammerfall den Song bereits verwendet haben. Wir haben auch über “Mrs.Victoria” nachgedacht, da der Song damals in einem Eight-Track-Studio aufgenommen und somit niemals vernünftig veröffentlicht wurde. Wahrscheinlich werden wir ihn für das nächste Album verwenden. Für “Luzifer´s Hammer” haben wir aus dem Grunde entschieden, weil es der erste Song war, den wir jemals professionell veröffentlicht haben. Das war auf “Metal Massacre II”. Mit der Produktion, die wir nun hatten, klingt der Song sehr kraftvoll und sehr bombastisch.

Du bist mittlerweile bekennender Christ und machst auch keinen Hehl daraus. “My Name Is Man” ist von der lyrischen Seite her einer der Texte, bei denen dieses Bekenntnis offen zutage tritt. Was war der Hintergrund diesen Text zu verfassen?

Ich bin keiner dieser Textschreiber, die sich mit ihren Texten auf einem Kreuzzug befinden. Ich schreibe sehr gerne über unterschiedliche Dinge, auch wenn es im allgemeinen ein generelles Thema gibt. In Bezug auf “My Name Is Man”, so gehen wir Menschen immer herum und stellen uns mit “my name is William” oder so vor. Das hört man immer und immer wieder und ich habe mir dabei gedacht, warum wir uns mit jemandem anderen identifizieren. Wir alle sind Menschen; wir sind die Menschheit. Das Lied handelt ganz einfach von der Erschaffung der Menschheit.

Von einem Sendungsbewusstsein, deinen Glauben und diesen christlich geprägten Hintergrund zu verbreiten und andere Leute dafür zu gewinnen, kann demnach keine Rede sein?

Vielleicht in dem Sinne, um darauf hinzuweisen, wie wertvoll der Mensch doch ist. Ich denke, alle Menschen sind gleich. Gerade aufgrund meines Glaubens bin ich der Auffassung, dass der Mensch von Gott erschaffen wurde und dass wir alle gleich sind. Niemand hat das Recht, sich über andere Menschen zu erheben. Das ist etwas, was mich vor allem mein Vater gelehrt hat. “Du bist nichts besseres als andere, und andere sind nichts besseres als du”. Manchmal liebe ich es, über apokalyptische Themen zu schreiben, da dies sehr kraftvolle Themen sind, die sehr gut in das Heavy Metal-Szenario passen. Daher haben wir “Luzifer´s Hammer” als Bonustrack auch nicht ans Ende des Albums gestellt, sondern direkt im Anschluss an “My Name Is Man”, wo es um die Schöpfung des Menschen geht, während “Luzifer´s Hammer” von der Zerstörung der Menschheit durch nukleare Waffen handelt. Wir dachten, dies wäre ein sehr schöner Kontrast.

Gibt es noch fertig eingespielte und unveröffentlichte Songs?

Es gibt noch ein Demo aus dem Jahre 1980 und verschiedene andere Sachen, aber nichts von guter Qualität. Wenn ich heute ältere Ideen aufgreifen würde, dann würde ich diese verändern. So wie bei “Winds Of Thor”, wo die erste Hälfte noch aus alten Warlord-Teilen besteht, während ich die zweite Hälfte neu geschrieben habe. Für “Enemy Mind” hatte ich ungefähr dreissig verschiedene Riffs und es war wirklich hart die zehn Riffs auszuwählen, die ich hinterher im Song benutzt habe. Es gibt noch eine Reihe von Songs, an denen wir zur Zeit arbeiten. Beinahe hätten wir auch noch einen Song namens “Philosopher King” mit auf das Album genommen, ein sehr epischer Song mit über sieben Minuten Länge, den wir uns dann aber doch für das nächste Album aufgespart haben.

Wobei zu hoffen ist, dass wir nicht wieder fünfzehn Jahre auf die Veröffentlichung des nächsten Warlord-Albums warten müssen.

Wir haben vor der Veröffentlichung gesagt, dass wir das ganze sein lassen, sollten die Leute dieses Album als Müll betrachten. Es scheint aber, dass die Leute wirklich darauf abfahren. Sollte dem wirklich so sein, so sind wir gerne willens und bereit, in der Zukunft weitere Alben zu veröffentlichen. Joacim und Mark schmieden bereits Pläne für ein weiteres Album. Ich habe noch viel Material, so dass wohl davon auszugehen ist, dass wir nächstes Jahr ein weiteres Album veröffentlichen könnten. <<

Mark Zonder ist noch Drummer bei Fates Warning, Joacim Cans´ Engagement bei Hammerfall ist hinreichend bekannt, da kommt natürlich die Frage auf, ob ihr Warlord in dieser Konstellation als wirkliche Band oder einmalige Angelegenheit betrachtet, zumal es auch nicht ganz einfach sein dürfte, eure prall gefüllten Terminkalender aufeinander abzustimmen.

Das stimmt. Auch jetzt war es nicht einfach, unsere Termine unter einen Hut zu bekommen. Es hat funktioniert und bedarf einfach einer guten Planung. Wir stehen in sehr engem Kontakt miteinander und sprechen manchmal trotz der Entfernung sogar mehrmals am Tag miteinander. Die Pläne gehen also deutlich in die Richtung einer Band, und nicht als einmaliges Projekt.

Was sind deine Erwartungen an den Gig in Wacken? Bist du nervös?

Nein, gar nicht. Warlord hat sehr, sehr treue Fans, die der Band seit langem die Treue halten. Viele haben die Band erst kennen gelernt, nachdem die Band sich aufgelöst hatte, und wurden trotzdem Fans. Wenn man solch ein enthusiastisches und treues Publikum hat, dann hat man auch Spass daran. Ich betrachte unsere Fans auch ungerne als Fans, sondern als Freunde. Ich teile meine Musik mit Leiten, die diese gerne hören wollen. Wenn ich zuhause in meinem Studio bin und mich jemand fragen würde, ob er eintreten und zuhören dürfte, würde ich immer “ja” sagen. Je mehr Leute mir zuhören wollen, umso schöner.

Trotz aller terminlichen Schwierigkeiten, habt ihr euch bereits Gedanken über eine komplette Tour gemacht, die über die angesprochenen Einzelgigs in Griechenland und Deutschland hinausgeht?

Wenn wir die Shows in Griechenland spielen, werden wir vielleicht noch ein paar einzelne Shows dranhängen. Danach sind Hammerfall unterwegs und während dieser Zeit werde ich Songs für das nächste Warlord-Album schreiben und arrangieren. Wenn Joacim dann Zeit hat und die Tour mit Hammerfall vorbei ist, werden wir das nächste Album aufnehmen und möglicherweise auch Zeit für eine Tour haben. Ich bin allerdings nicht so sehr an intensiven Tourneen interessiert, da ich nicht so lange von meiner Familie getrennt sein möchte. Wir werden dort spielen, wo wir Fans haben, was ohnehin der einzige Grund für uns ist, live zu spielen. Wir sind mehrmals schon darauf angesprochen worden, ob wir diese Reunion des Geldes wegen machen, was natürlich Blödsinn ist. Wir hatten die Idee, das Timing war genau richtig, also sollte es auch so sein.

Michael Kuhlen – Obliveon Magazine

Out of www.obliveon.de (Interview retrievable)

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Czech Flag Origin: Germany / July 31st, 2002